Jens Dörschel

Alter: 
48 Jahre
Beruf: 
Dipl.-Geoökologe
Wahlkreis: 
Listenplatz: 
3
Ich möchte gewählt werden, weil …: 
ich mich für mehr und bessere Radwege, einen besseren Öffentlichen Nahverkehr und für die Energiewende in Potsdam einsetzen will.
Nach der Wahl setze ich mich konkret dafür ein, dass …: 
die Blockade der Parteien und Whälergemeinschaften links und rechts von rot-grün bei der Finanzierung der neuen Schulen aufgelöst wird.
Mein erstes Mal: Wann sind Sie / bist Du das erste mal politisch aktiv geworden?: 
1982

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Wie stehen Sie zum Aufbau der Garnisonkirche? Haben Sie das Bürgerbegehren dagegen unterschrieben? Werden Sie sich bei einem Erfolg des Bürgerbegehrens gegen den Aufbau der Garnisonkirche dafür einsetzen, dass der Bürgerentscheid mit einem anderen Wahltermin verbunden wird?

von: André Pilz
Die politischen und administrativen Entscheidungen der Stadt sind mit der Übertragung des Grundstücks, der Schaffung des Baurechts und mit der Baugenehmigung längst gefallen. Die Stadt kann das Grundstück nicht zurückfordern, die Stiftung nicht auflösen und die Baugenehmigung nicht revidieren. Das Bürgerbegehren kann die Garnisonkirche von daher nicht mehr verhindern. Es kommt schlicht und einfach zu spät. Oder glaubt jemand im Ernst, etwaige Bemühungen der Stadt zur freiwilligen Selbstauflösung der Garnisonkirchenstiftung hätten auch nur das Promille einer Erfolgsaussicht? Vor diesem Hintergrund sehe ich das Bürgerbegehren gegen die Garnisonkirche als reines Wahlkampfmanöver und eine große Wählertäuschung. Nicht zuletzt täuschen die Initiatoren des Bürgerbegehrens ihre eigenen Anhänger, indem sie Ihnen vorgaukeln, mit ihrer Unterschrift könnten sie noch einen wirksamen Beitrag gegen den Bau der Garnisonkirche leisten. Zum jetzigen Zeitpunkt entscheidet sich die Frage, ob die Garnisonkirche gebaut wird, einzig und allein daran, ob die Stiftung das Geld für das Projekt zusammen bekommt oder nicht. Offen ist auch die Frage, ob dazu nur privates oder auch öffentliches Geld eingesetzt wird. Aer darum geht das Bürgerbegehren ja nicht. Außerdem hat sich die Stadt bereits festgelegt, nicht zur Finanzierung beizutragen. Was Bund und Land ggf. machen, steht nicht in der Macht der Stadt. Trotzdem müsste die Stadt bei einem Erfolg der Unterschriftensammlung für das Volksbegehren mit hohen Kosten ein Bürgerabstimmung ausrichten, wenn es, was zu erwarten ist, keine Mehrheit in der Stadtverordnetenversammlung für das Bürgerbegehren geben wird. Praktische Folgen für das Bauprojekt wird diese Abstimmung aber auch im Erfolgsfalle keine haben. Ich finde, so sollte man mit den Instrumenten der direkten Demokratie nicht umgehen. In der Sache würde ich persönlich es begrüßen, wenn das Geld für den Aufbau des Turmes und später auch für das Kirchenschiff durch Spenden von Mäzenen und vielen Einzelspenden zusammen kommen würde. Das wäre ein großer Gewinn für das Stadtbild an dieser tristen Verkehrsmagistrale mit geringer Aufenthaltsqualität. Die angeführten Argumente zur historischen Belastung halte ich für künstlich und aufgebaut. Ich halte ich es für sehr unwahrscheinlich, dass sich der Ort zu einem Wallfahrtsort für alte und neue Nazis entwickelt. Und falls sich doch der eine oder andere Alt- oder Neonazi an der Garnisonkirche erfreuen sollte, dann wird das in seiner Wirkung in erheblichem Maße dadurch überkompensiert werden, dass die wiederaufgebaute Garnisonkirche – wenn wie geplant ein geeignetes Ausstellungskonzept umgesetzt wird – einen Beitrag dazu leisten wird, dass sich Millionen von Potsdambesuchern überhaupt mit der Geschichte des Gebäudes und des Tages von Potsdam auseinandersetzen. Auch wenn es in der Sache nicht gerechtfertigt ist, die Garnisonkirche auf den Tag von Potsdam zu reduzieren, wird sie einen sinnvollen Beitrag zur Erinnerung an und zur Aufarbeitung des finstersten Kapitels deutscher Geschichte leisten, das der Nationalsozialismus war. Ich halte daher nichts davon, die Zeugnisse dieses Abschnitts der Geschichte zu beseitigen. Wir brauchen auch die baulichen Zeugnisse, um uns u.a. des Nationalsozialismus erinnern zu können. Ohne diese Zeugnisse geht die Erinnerung nach und nach verloren. Das halte ich für einen großen Bärendienst für den Kampf gegen den Faschismus und für eine Politik, die wirklich Lehren aus der Geschichte ziehen will. Folglich halte ich auch die vor allem von Walter Ulbricht persönlich veranlasste, ideologische SED-Abrisspolitik für grundfalsch. Den Einsatz der Initiative für ein Potsdam ohne Garnisonkirche empfinde ich als nachträgliche Legitimation dieser SED-Abrisspolitik. Aus all diesen Gründen werde ich das Bürgerbegehren selbstverständlich nicht unterschreiben und würde als Stadtverordneter selbstverständlich gegen das Bürgerbegehren stimmen. Aber wenn die Unterschriften zusammen kommen und die Abstimmung stattfinden muss, wäre es aus Gründen der Kostenersparnis selbstverständlich sinnvoll, die Abstimmung mit einer anderen Wahl zu verbinden. Außerdem wüsste man dann immerhin, was die Potsdamerinnen und Potsdamer wirklich von der Garnisonkirche halten und müsste nicht mehr im Nebel stochern. Eine Abstimmung mit zu niedriger Wahlbeteiligung würde ansonsten nicht einmal diesen Zweck erfüllen. Aber ob das vom Ablauf her noch die Landtagswahl im September sein kann, kann ich derzeit aber noch nicht beurteilen. Freundliche Grüße Jens Dörschel

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