Lutz Boede

Alter: 
51 Jahre
Beruf: 
Fraktionsgeschäftsführer
Partei: 
Wahlkreis: 
Listenplatz: 
1
Ich möchte gewählt werden, weil …: 
es mir Spaß macht, manchen Leuten in die Suppe zu spucken.
Nach der Wahl setze ich mich konkret dafür ein, dass …: 
die Garnisonkirche eingemottet bleibt, städtische Wohnungen billiger werden und viel Platz für Experimente, Fußball und Kultur geschaffen wird.
Mein erstes Mal: Wann sind Sie / bist Du das erste mal politisch aktiv geworden?: 
Ich war 16 und habe rührende Flugblätter gegen den Wehrdienst in der DDR verfasst - auf einer Schreibmaschine mit 7 Durchschlägen - aber ich hatte Recht.

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Du hast mir in der letzten Woche an dem Infostand gesagt, dass Deine Partei immer ihre Sitze tauscht. Ich habe das noch nicht verstanden, fand es aber interessant.

von: Karl
DIE aNDERE arbeitet seit Jahren nach dem Rotationsprinzip. Unsere Stadtverordneten legen in regelmäßigen Abständen (bisher nach einem Jahr) ihre Mandate nieder und machen Nachrücker*innen Platz. Dadurch möchten wir mehr Menschen mit den Abläufen im Stadthaus vertraut machen. Aber die Rotation schützt auch unsere Stadtverordneten und unsere Politik vor Verschleiß- und Anpassungsprozessen. Und wenn ich Menschen sehe, die seit 1990 ununterbrochen Stadtverordnete sind und den Großteil ihrer Freizeit in Ausschusssitzungen und Arbeitskreisen verbracht haben - halte ich das auch nicht für nachahmenswert.

Hallo Herr Boede, was haben Sie konkret für Argumente gegen den Wiederaufbau der Garnisonkirche? Eigentlich müssten Sie esdoch begrüßen, dass die öffentliche Stiftung mit einem klar gegen Rechtsextremismus und Revanchismus ausgelegten Konzept den Wiederaufbau betreibt und nicht dieser in den 90er Jahren mal aufgetretende Verein um Max Klaar? Unter diesen Vorzeichen ist doch gesichert, dass die Kirche kein Anlaufpunkt für Rechtsradikale wird. Wie ist Ihre Meinung dazu?

von: Lars Müller
Erst einmal bitte ich um Nachsicht für die späte Antwort. Ich engagiere mich seit 1991 gegen den Aufbau der Garnisonkirche. Seitdem hat sich das Aufbauprojekt verändert. Zunächst wurde die Idee von einem rechtsextremen Kreis um Max Klaar getragen. Bei der Einweihung des Glockenspiels wimmelte es auf der Plantage von Burschenschaftlern, die Reichskriegsfahnen schwenkten und "Heil Dir im Siegerkranz" sangen. Auch danach fiel Max Klaar immer wieder durch Äußerungen auf, mit denen er die Kriegsschuld Nazideutschlands relativierte. In dieser Zeit drehte sich die Diskussion natürlich zu Recht vorrangig um den Symbolgehalt der Garnisonkirche und die Motive zum Wiederaufbau. Als der Verfassungssschutz rechtsextreme Tendenzen bei Max Klaar erkannte und die Bundeswehr ein weitgehendes Kontaktverbot verhängte, nahmen Vertreter von Kirche und Staat das Aufbauprojekt selbst in die Hand. Mit der Idee eines Versöhnungszentrums und dem Verzicht auf die Wetterfahne zugunsten des Nagelkreuzes erreichten sie ein knappes Ja der Synode zum Aufbau der Garnisonkirche und die Zustimmung der Stadtverordneten zur Grundstücksübertragung an die kirchliche Stiftung. Dass Max Klaar keine tragende Rolle beim Aufbauprojekt mehr spielt, war ein erster Erfolg für die Aufbaugegner*innen. Seitdem hat sich auch die Debatte verändert. Nun spielen Fragen der Stadtentwicklung, der Nutzung und der Finanzierung die Hauptrolle. In Potsdam besteht kein Mangel an Kirchen. Die Kopie der Hof- und Garnisonkirche wird nicht benötigt. Monarchie und Garnison gibt es in Potsdam nicht mehr. Ich teile die Ansicht nicht, dass eine nachgebaute Garnisonkirche kein Anlaufpunkt für Rechtsradikale oder einfach nur für Durchgeknallte werden kann. Offenbar übt die Garnisonkirche trotz Versöhnungsanspruch ja bis heute eine Anziehungskraft auf solche Leute aus. Sie beschimpfen Aufbaugegner*innen an den Unterschriftenständen als "Zigeunerin", tragen die Nazi-Gedenkmünze mit Garnisonkirche und Hakenkreuz herum oder schwafeln am Rande des Gottesdienstes zur Präsentation der Wetterfahne, dass Churchell der größte Verbrecher des 20. Jahrhunderts und Hitler nur ein kleines Licht dagegen war. Kurz und gut: Im den letzten 24 Jahren sind alle Versuche, den Wiederaufbau inhaltlich in den Griff zu bekommen, genauso gescheitert wie die Spendensammlung. Nun sollte ein sauberer Schlussstrich gezogen und der Platz neu geplant werden.

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